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G-Spot 2015 @ Gent

Geschrieben von Lili am 20.05.2015.


Die Mosquitos sind ja beim Turnierbericht schreiben ungefähr so motiviert wie ein Beamter kurz vor der Mittagspause… Aber unser erstes wirklich großes und internationales Outdoor-Turnier verdient es auf jeden Fall schriftlich festgehalten zu werden!

HardFacts

17 Spielerinnen respektive Krüppel Verletzte reisten per Flugzeug bzw. Auto nach Gent und übernachten auf der Baustelle im Haus von Jerre´s supernetten Eltern. Nochmals ein riesengroßes Dankeschön hierfür!

Freitag - Tag 1

Der Spielplan meinte es gut mit uns und so hatten wir unser erstes Spiel erst um halb 12. Am Morgen brachen wir daher mit den Autos Richtung Spielfeld auf, da der Fußweg von etwa 50 Minuten am Vortag ausgetestet und kollektiv für zu lang befunden wurde.

Auf uns wartete ein sehr gutes Frühstück, das zwar etwas süß-lastig war - Schokolade gehört in Belgien anscheinend zu jeder Mahlzeit - aber dafür auf jegliche Befindlichkeiten Rücksicht nahm. Wobei einige der Mosquitos sich lautstark als Anti-Vegetarier deklarierten und das vegane Mandel-Sojajoghurt eiskalt ignorierten. Das Zelt, in dem das Frühstück stattfand, war dann auch die spätere Party-Location. Vor allem eine seitliche Kabine mit interessant dekoriertem Eingang erregte einige… Aufmerksamkeit!

Vor dem ersten Spiel hatten wir somit sehr viel Zeit zum Einwerfen und Aufwärmen und starteten - nach einer Pump-Up-Speech von Head Coach Nurschi - mit einem glatten 15:0 gegen die „Flying Rabbits“.

Das nächste Spiel gab es gleich im Anschluss. Da wir das erste Spiel aber deutlich vor der Zeit beendet hatten „durften“ wir sogar nochmal aufwärmen! Auch dieses Spiel gegen „XLR8RS“ gewannen wir souverän mit 15:4. Auffallend war in beiden Spielen, dass trotz klarer spielerischer Überlegenheit der Fokus hoch gehalten wurde und wir bis auf ein oder zwei Punkte in der Defense nicht nachließen.

Nach einer Mittagspause ging es in unser herausforderndstes Pool-Spiel. Die späteren und souveränen Turniersieger „Get Horizontal All Stars“ kurz „GH“. Ein Team mit einigen der besten Spieler-Innen Europas! Wir wussten von Beginn an, dass wir nichts zu verlieren haben, sondern einfach unser bestes Spiel abrufen und dabei auch noch Spaß haben wollen. Wir sollten wohl öfters mit dieser selbstbewussten Einstellung starten, denn bis zur Halbzeit wurde es ein richtig eng umkämpftes Spiel. Anfangs spielte jedes Team seine Offense souverän herunter, dann holte sich „Get Horizontal“ zwei Breaks die sich die Mosquitos mit sensationeller Defense wieder zurückholten. So stand es kurz nach der Halbzeit 8:7 für „GH“, die uns im anschließenden Round-Up berichteten, dass sie zu diesem Zeitpunkt ziemlich verunsichert waren und sich die Partie leichter und anders vorgestellt hätten. In der zweiten Spielhälfte konnten wir unsere Leistung dann leider nicht mehr ganz so abrufen und verloren das Spiel mit 12:7, wobei jeder Punkt - vor allem jener zum leider nicht erreichten 8:8 hart umkämpft und mit einigen Turn Overs behaftet war. Es war auf jeden Fall ein sehr cooles Spiel, das mit etwas Glück und Konstanz länger spannend geblieben wäre.

Da seitens des Veranstalters vorgesehen war, dass jedes Team individuell in der Stadt Abendessen geht, war als Anreise in diese eine wunderschöne Bootsfahrt auf den Kanälen von Gent geplant. Versorgt mit kulinarischen Köstlichkeiten wie Käse, Salami, Oliven und 3 Flaschen Sekt fuhren wir den Kanal entlang und genossen die Sehenswürdigkeiten der entzückenden Stadt. Nach einer Mini-Stadtführung powered by Hometownboy Jerre gelangten wir schließlich ins Restaurant und ließen uns die Burger schmecken. Zurück auf der Baustelle fielen alle sehr schnell in ihre Schlafsäcke, zumal der Wecker für den nächsten Tag auf 6 Uhr gestellt war…

Samstag - Tag 2

6 Uhr früh ist wirklich nicht die Zeit, an dem arbeitende oder studierende Ultimate-Spieler-Innen samstags gerne aufstehen. Aber wir waren fest entschlossen das besser vorbereitete Team im ersten Spiel zu sein, dessen Sieger in den obersten Pool (Platz 1-8) aufsteigen würde. So waren wir tatsächlich bereits kurz vor 7 beim Frühstück. Die G-Spot Volunteers hatten ebenfalls nicht damit gerechnet, dass ein Team so früh erscheinen würde und kamen erst nach und nach aus ihren Schlafsäcken gekrochen.

Die Basics standen allerdings schon bereit und als dann auch der Kaffee fertig war, stand einem guten Start in den Tag eigentlich nichts mehr entgegen. Außer vielleicht ein paar diskussionsfreudige Franzosen auf die wir dann im ersten Spiel trafen. Diese waren zwar physisch sicher nicht ganz so gut vorbereitet auf das Spiel wie wir, gingen dafür aber mit mehr Selbstvertrauen in die Partie und nutzten ein paar anfängliche Fehler unsererseits eiskalt aus. Im weiteren Spielverlauf brachte dann beide Teams ihre Offense gut durch, aber es gelang uns leider trotz sehr starker Defense nicht mehr den schlechten Spielstart wettzumachen und so verloren wir 10:6.

Auf Calls und Fouls in dieser Partie wird nicht weiter eingegangen, allerdings dürften wir nicht das einzige Team gewesen sein, welches die Spielweise der Franzosen nicht so überragend fair empfunden hatte, was sich am Ende dann auch in Spirit-Ranking zeigte. Wir haben jedenfalls gelernt, dass es eine der schwierigsten Herausforderungen im Ultimate ist, einen schlechten Spirit des Gegners zu ignorieren und davon unbeirrt bei seinem Spiel zu bleiben.

Fairerweise muss man festhalten, dass wir selten in einem Spiel bei Stallcount 8-9 so viele Hammer- und Knife-Würfe gesehen haben, die dann auch noch perfekt dahergeflogen kamen. Muss man auch erst mal können, bei Wind und Nieselregen, keine Frage…

Im Anschluss ging es dann gleich in das letzte Pool-Spiel gegen den drittgesetzten in unserem Pool, die „Guayotas“ aus Spanien. Beide Teams waren anfangs auf Augenhöhe, aber mit unserer Zone konnten wir uns die notwendigen Breaks holen und das Spiel mit 12:9 für uns entscheiden. Der Spirit war - obwohl das Spiel recht eng war und beide Teams mit viel Körpereinsatz spielten – ausgezeichnet. Nach diesem wirklich schönen Spiel gingen wir versöhnt zum Mittagessen, allerdings in der Gewissheit, dass es „nur“ mehr um die Plätze 9 bis 16 geht.

Das erste „Halbfinale“ am Samstag gegen „Utka“ aus den Niederlanden gewannen wir deutlich mit 13:3. Bei dem danach von „Utka“ initiierten Spirit-Spiel namens Evolution freuten sich vor allem diejenigen, die schon das ganze Wochenende an ihren T-Rex Imitationen gefeilt hatten und dann in ihrer Rolle als Dinosaurier voll aufgingen.

Das letzte Spiel des Tages (Top 10 ja, oder nein) war dann jenes um 18 Uhr gegen „Solebang“ aus der Schweiz, die wie wir einen recht toughen Pool erwischt hatten, denn die finalen Top 4 des Turniers waren leider auf unsere beiden Pools verteilt gewesen...

Für uns fühlte sich dieses Spiel an wie unser persönliches „Finale“, da wir wussten das wir nochmal alles geben müssen, wenn wir dieses Spiel gewinnen wollen. Auch die Schweizer waren wohl etwas überrascht, dass sie im mittleren Pool gelandet waren und so war jeder Punkt hart umkämpft. „Solebang“ versuchte ihren eindeutig höheren Damenanteil auszunutzen und die Partie hätte auch in beide Richtungen ausgehen können. Denn kurz vor Spielende stand es noch 10:8 für „Solebang“, nach Layout D’s ging es dann in´s Cap und im Universe Point entscheiden wir mit 12:11 das Spiel für uns! Der Spirit war trotz des sehr knappen Spiels von beiden Seiten super und so beendeten wir diesen Tag dann doch noch sehr zufrieden.

Das Abendessen - für das man leider ziemlich lange anstehen musste - war dafür dann wirklich gut und ausreichend. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit machten die Mosquitos sich dann auf den Weg zu den Autos um in die dort gelagerten Party-Outfits zu wechseln. Das Thema war „Heaven on Earth“ und die Mosquitos waren mit Artemis über Pallas Athene, Poseidon (samt Seepferdchen), Zeus und dem Gott der Lederhose einerseits hin zu „Wolken“ (von denen einige verdächtig wie Irrenhaus-Patienten aussahen) andererseits vertreten. Die Partybereitschaft war unterschiedlich stark ausgeprägt und so schafften es die einigen früher oder die anderen später, oder eben noch ein bisschen später zurück in die Federn.

Auf wundersame Weise blieben bei uns auch alle unverletzt, jemand aus einem anderem Team musste nach einem missglückten Stage-Dive ohne fangmotivierter Crowd und Aufschlag am harten Boden leider ins Krankenhaus… Fast hätten wir jetzt besagte Kabine vergessen, sozusagen die Party in der Party! Eintritt erhielt man nur, wenn man auf der Bootsfahrt am Freitag oder bei anderen Okkasionen, wo goldene Münzen in die Menge geworfen wurde ein solches „Golden Ticket“ ergattert hatte. Drinnen war es warm, feucht und roch auch nicht unbedingt feierlich. Dafür gab es gratis Shots und Mädls im Bikini…

Sonntag - Tag 3

Mehr oder eher weniger erholt starteten wir in den dritten und somit letzten Turniertag und in das letzte Spiel um Platz 9 gegen die vermeintlichen Spanier „Uno Mas“, die eigentlich „Uno maas“ heißen und aus den Niederlanden kommen. Während wir trotz Müdigkeit einigermaßen pünktlich mit dem Warm-up starteten um die müden Beine in Gang zu bringen - hier ein großes Dankeschön an Nemo für das Super Warm-up das ganze Wochenende! - erschienen unsere Gegner erst kurz vor Spielbeginn.

Aus unerfindlichen Gründen ließen wir uns von deren Laschheit anstecken. Zwar gewannen wir das Spiel sicher und ungefährdet mit 13:7, aber es bestand doch allgemeine Verwunderung darüber, dass wir gerade gegen dieses Team um Platz 9 spielten.

Nach einer kurzen Nachbesprechung hupften ein paar Waghalsige aufgrund des nun wärmeren Wetters noch in den nahe gelegenen See wegen bevor sich das Team wieder in der Dusche zusammen fand.

Das Mittagessen bestand diesmal aus fettiger Panier, welche irgendwelche ehemaligen Lebensmittel umhüllte, garniert mit Pommes. Dann schauten wir noch das Finale – „GH All Stars“ gegen das „deutsche Nationalteam“ – im dem die Deutschen nie in das Spiel fanden und es somit leider ein eher weniger spannendes Finale war, welches dann auch klar 14:4 für „GH“ endete.

Fazit des Turniers

Es war ein echt leiwandes Wochenende mit einem super Team, nur zwei Spiele verloren und trotzdem - aufgrund des unglücklichen Seedings und der ungleich starken Ausgangspools - nur Neunter geworden… Super intensive Spiele gegen „Solebang“, „Guyotas“ und „GH“ sowie einer durchgehenden guten Stimmung! Der Trainer gab ebenfalls zu Protokoll, dass es ihm eine Freude war uns zu coachen und jede/r einzelne von uns freut sich jetzt schon auf das G-Spot 2016!